Anderes Land andere Macken

Manchmal ist es nicht so wie man es sich vorgestellt hat, aber das heisst nicht, dass es deswegen so viel schlechter ist.
Wie schon im letzten Beitrag geschrieben, ist es hier leider nicht so Kinderreich wie erwartet und auch die afrikanische Mentalitaet ist eindeutig etwas gewoehnungsbeduerftiger, aber das macht es lediglich anders als erwartet. Das war wohl die beste Lektion.

Gestern war dafuer ein um so besserer Tag, denn es waren das erste mal Kinder mit uns im Community Centre. Ich hab es wirklich unendlich genossen mit den Kleinen. Wir hatten im Schnitt immer ungefaehr 16 Kinder um uns herum toben im Alter zwischen 3 und 13 Jahren.
Wir haben dann mit ihnen verschiedene Fangspiele gespielt, ich hab ein bisschen lesen mit den aelteren Kindern geuebt und wir sind anhand von Bildern englische Vokabeln durchgegangen. Wir haben Abklatschreime gelernt und traditionelle Taenze gezeigt bekommen und ich habe ihnen gezeigt wie man mit Grashalmen troetet. Obwohl die Kinder hier eigentlich fast alle nur Zhulu sprechen und wir so kaum Anweisungen oder Unterhaltungen fuehren konnten, haben wir unendlich viel zusammen gelacht und irgendwie doch so viel gesprochen. Das war wirklich unheimlich toll zu sehen und zu fuehlen.
Nach dem die erste Schuechternheit verflogen war, wurde geknuddelt und gedrueckt und der Platz auf meinen Beinen umkaempft.

Die Herzlichkeit und der Umgang der Kinder miteinander ist wirklich ueberwaeltigend. Jeder schaut nach dem anderen, sie weisen sich gegenseitig zurecht, wenn etwas nicht ok laeuft, sie schauen nacheinander, wenn das andere Kind weint. Als Suessigkeiten verteilt wurden, wurde alles absolut fair aufgeteilt und hatte ein Kind eine Suessigkeit und das Gefuehl ein anderes hat noch nicht ausreichend abbekommen, dann hat es seins nochmal zerteilt und abgegeben. Das ist wirklich eine der tollsten Erfahrungen, die ich je mit Kindern hatte und es ist so unheimlich Schade, dass es das so wenig bei uns gibt.

Leider spielen bei diesen wundervollen Erfahrungen mit den Kids auch immer die Krankheiten des Landes in das Resumee des Tages ein und das trifft schon sehr. Man sieht einigen Kindern einfach die Krankheiten, insbesondere AIDS/HIV an. Sie haben ganz viele aufgeplatzte, komische Wunden an den Koerpern, sind kleiner und duenner… Es ist schwer zu beschreiben, aber teilweise sieht man es einfach. Dann schauen dich zwei schwarze Kulleraugen mit wundervollem Charakter an und du weisst, sie werden wohl nicht alt werden… Das ist hart zu sehen, auch wenn es hier leider nun mal Teil des Lebens ist.

Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, macht es einfach auch traurig zu sehen, dass die meisten Menschen hier einfach keine Perspektive haben. Die meisten jungen Schwarzen sitzen meist gegen 12 Uhr bereits mit Alkohol vor ihren Huetten oder laufen einem voellig betrunken auf der Strasse entgegen. Keine Perspektive, kein Ausweg und vor allem kein Leben. Das gilt hier irgendwie fuer weiss und schwarz gleichermassen. Aber es leben wirklich nur sehr wenig weisse Menschen hier. Die meisten sind nur fuer die Tauchsaison da und gehen dann wieder.
Kiffen, Mushrooms, rauchen, trinken und tagsueber bei den Tauchgaengen helfen. Mehr geht nicht.

Im Rahmen unserer Arbeit hier, sollen wir auch ein Prospekt fuer das Community Centre entwerfen und es war wirklich super interessant ueber die Hintergruende und Entstehungsgeschichte mehr zu erfahren.
Angefangen hat alles 2005 als Jugendclub. Hauptsaechlich um genau das oben beschriebene Phaenomen ein bisschen einzudaemmen und den Jugendlichen eine Anlaufstelle zu geben. 2007 wurde hier das Thema HIV/Aids immer mehr zum Problem und es wurden verschiedenste Aufklaerungskampagnen gestartet. Im Zuge der vielen verstorbenen Elternteile wurde dann ein Waisenprogramm ins Leben gerufen, welches die Angehoerigen bei der Beantragung von Geburtsurkunden unterstuetzt, die wiederum zum beantragen von staatlichen Foerdergeldern fuer die Kinder benoetigt werden.
HIV ist und bleibt ein Tabu-Thema und nachdem die meisten Menschen keinen aerztlichen Zugang mehr hatten, wird nun im Community Centre einmal im Monat allen Menschen des Ortes die Moeglichkeit gegeben, sich testen zu lassen, sich medizinisch checken und versorgen zu lassen. Auch Tuperkulose ist hier ein grosses Thema und die Menschen koennen sich hier testen lassen.
2010 wurde dann schlussendlich die Kinderbetreuung mit aufgenommen, hauptsaechlich, da hier zum einen viele Kinder einfach von ihren Eltern allein zu Hause gelassen werden. Insbesondere sehr junge Muetter wurden haeufig in den Trinklokalen gesehen, weil sie mit der Situation einfach nicht fertig wurden. Ein anderes trauriges, aber nun mal auch dazu gehoerendes Thema ist, dass es Geruechte gab, dass HIV reingewaschen werden kann, indem man mit Jungfrauen schlaeft.
Man wollte also insbesondere fuer die jungen Maedchen eine Unterkunft finden, bei der sie den Tag ueber bleiben konnten, wenn ihre Eltern keine Betreuungsmoeglichkeiten hatten.

Das sind natuerlich schon alles auch sehr krasse Sachen, die man so direkt nicht mitbekommen kann.

Ansonsten noch ein bisschen was zu mir.
Wie schon gesagt, Sodwana Bay ist jetzt nicht sooo gross, von daher gibts nicht all zu viel zu tun.
Aber wir haben jetzt schon 2 kleinere Ausfluege gemacht. Einmal zu einem See hier in der Naehe. Leider war der in keinster Weise ausgeschildert und so sind wir ein bisschen im Kreis gefahren, haben ihn aber schlussendlich doch gefunden.
Am Samstag sind wir fuer einen Tagesausflug nach St Lucia gefahren.Dort haben wir eine Hippo-Tour auf einem See gemacht und sind noch kurz an den Strand gefahren und dann mussten wir leider schon wieder los in Richtung Sodwana Bay.

Samstag Abend wollten wir eigentlich in der Disco hier im Ort ein bisschen Tanzen gehen, leider gab es wohl einen Streit und ein junger Typ hat sich erschossen und lag dann fuer X Stunden direkt vor der Disco. Da ist uns das feiern ziemlich vergangen…

Am Freitag hatte einer unserer Voluntaere hier Geburtstag und wir sind mit ihm an den Strand gefahren und haben dort zusammen gegessen und Sterne geguckt. Dadurch, dass wir hier ja keinerlei Strassenbeleuchtung oder sonst irgendetwas in die Richtung haben, kann man so unglaublich viele Sterne sehen. Richtig toll.

Hier im Kamp bin ich ja schon fast von mir selbst ueberrascht, gestern hab ich einen 7cm grossen Kaefer einfach mal so aus der Kueche gekickt… Das haette ich mir so vorher gar nicht zugetraut und auch das Leben mit unserer Spinnenfamilie und den Kakerlaken wird zunehmend entspannter…
Seit 2 Tagen haben wir leider auch nur noch sehr unregelmaessig fliessendes Wasser, aber man gewoehnt sich wirklich an fast alles 😀
Nichtsdestotrotz die Freude auf Deutschland und ein bisschen mehr europaeisches Leben waechst mit jedem Tag…
Alles in allem gehts mir hier aber doch sehr gut und die ab und zu auch etwas nervige Gelassenheit der Menschen tut insgesamt auch wirklich mal ganz gut.

Damit verabschiede ich mich erstmal wieder. Morgen ist Sportfest mit den Kids angesagt. Ich freu mich unendlich drauf!

Bis bald eure Anne

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